Endspurt

Und wieder ist eine ganze Weile seit dem letzten Eintrag vergangen. Jetzt sind es noch knapp drei Wochen, bis wir wieder nach Deutschland zurückkommen. Die Zeit ist wie immer unglaublich schnell vergangen. Seit dem letzten Eintrag gab es keine Woche, in der wir nicht irgendwo auf Reisen waren, ab jetzt bleiben wir in Chennai, ausgenommen vielleicht von Tagesausflügen. Aber eigentlich ist dafür kaum noch Zeit, weil schon wieder so viel geplant ist.

Auch wenn es mir hier noch immer sehr gut gefällt, freue ich mich auch schon auf zuhause. Einigen von uns hat es so gut gefallen, dass sie länger bleiben wollten, leider war SPS der Organisationsaufwand zu viel und wir müssen alle im August wiederkommen. Ich denke, ich spreche nicht nur für mich, wenn ich sage, dass uns die letzten Wochen ein wenig durch die Sorge um die Zukunft verdorben werden. Fast alle von uns schreiben gerade zahllose Bewerbungen. Springer hat einigen, inklusive mir, eine Stelle in Heidelberg angeboten, die bisher jedoch alle abgelehnt haben. Nur eine hadert noch mit sich. Natürlich ist das eine Chance – ein einfach bekommener Job, den man ja nicht für ewig machen muss, einen aber aus diesem grauenhaften Status als Berufsanfänger rausholt. Aber wir konnten uns alle nicht mit dem Gedanken abfinden, in Heidelberg zu wohnen, auch nicht für ein Jahr. Für mich kommt natürlich noch Johan dazu – Wien und Heidelberg sind ja nicht gerade nah beieinander. Ich hoffe einfach mal, dass ich möglichst bald eine positive Rückmeldung auf meine endlosen Bewerbungen bekomme.

Sobald ich wieder da bin, fängt im Prinzip auch schon die Wohnungssuche an. Johan und ich gönnen uns eine Woche in Italien, im Haus seiner Eltern, dann geht es schon zur Suche nach Wien. Ich freue mich wirklich darauf, wenn diesen Schweben im Nichts ein Ende hat.

Auch im Büro sind viele auf Jobsuche. Für uns mag SPS ja recht entspannt sein, aber die indischen Mitarbeiten werden wirklich hemmungslos verarscht. Mal abgesehen davon, dass die Samstag arbeiten müssen, aber keine Arbeit haben, weil in Deutschland nun einmal keiner am Samstag arbeitet und daher alles, was von Autoren und Springerkollegen in Deutschland abhängt, bis Montagnachmittag warten muss. Wenn die Kollegen mehr als 5-10 Minuten (je nach Schicht) verspätet kommen, wird ihnen einer von den ohnehin wenigen Urlaubs- und Krankheitstagen abgezogen. Neuerdings wurde ein Fingerabdruckscanner zum ein- und austragen eingeführt. Wir haben uns geweigert einem privaten indischen Unternehmen unsere Fingerabdrücke zu geben und sind damit durchgekommen. Das könnten sich die Kollegen natürlich nicht leisten. Zudem gibt es gerade einen gewaltigen Streit im PM-Team. Die Leute haben stark für freie Samstage gekämpft, weil die eben mit Deutschland kommunizieren müssen. Jetzt wird ständig mit Verlegung des Teams in einen anderen Stadtteil oder gleich eine andere Stadt gedroht und das Management versucht alles um die Leute gegeneinander aufzustacheln. Außerdem werden gerade immer weniger Leute mit hohem Deutschniveau eingestellt, weil es ja vorgefertigte Templates gibt. Die helfen allerdings nur in den wenigsten Situationen und die Verantwortlichen müssen trotzdem noch zahlreiche Mail selbstständig schreiben. Dafür reicht A2 oder auch B1 einfach nicht aus. Ich bin mal gespannt wie das alles weitergeht.

Wir versuchen jetzt alle die letzten Tage zu genießen. Samstag fahre ich mit einem Freund an den Strand, Sonntag gibt Alannahs Freund, ein sehr lieber Inder, der mal für Chennai Heritage Trails gearbeitet hat, eine historische Stadttour durch Chennai. Gratis natürlich. Nächstes Wochenende bin ich mit Anu verabredet, die will mir zum Abschied unbedingt einen Sari schenken, der gekauft werden muss. Dann ist schon nur noch ein Wochenende übrig. Samstag gehen wir zum Cricket ins Stadion, das wird sicher lustig. Einen Tag wollen wir noch nach Pondicherry fahren, ein bisschen shoppen und den Strand genießen – da kann man nämlich tatsächlich schwimmen gehen.

So, da wir uns ja bald wiedersehen und ich dann alles gleich richtig erzählen kann, mache ich für heute mal Schluss und hoffe, dass ich in den nächsten Wochen nochmal eine ruhige Minute zum Schreiben finde.

Ganz liebe Grüße aus Chennai! Ich freu mich auf euch!

27.7.17 15:46

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