Immer wieder Ärger mit der FRRO...

Ehe ich des Landes verwiesen werde, weil die FRRO, das Foreign Regional Registration Office, plötzlich beschlossen hat, dass man die Bedingungen für einen Arbeitsaufenthalt doch mal wieder ändern könnte, schreibe ich euch lieber nochmal von hier aus. Tatsächlich habe ich heute erfahren, dass die kryptische Mail, die ich vor 10 Tagen erhalten habe, mir sagt, dass ich innerhalb der nächsten zehn Tage mein sofortiges Rückflugticket präsentieren soll. Dass es Probleme gibt haben wir schon mitbekommen, weil das GAS-Team, eine Gruppe deutscher Missionare, die als Freelancer für SPS gearbeitet haben, bereits des Landes verwiesen wurde, obwohl deren Visa noch über ein Jahr gültig waren. Es hieß schon die ganze Zeit für uns sei der Fall anders und jeder sagt einfach nur, wir sollen uns keine Sorgen machen, aber keiner kann uns genau das Problem sagen. Jetzt bin ich schlauer. Offenbar war das Mindestgehalt für in Indien arbeitende Ausländer bisher 25.000 USD pro Jahr, Übersetzer und Lehrer bildeten dabei die Ausnahme. Diese Ausnahme wurde jetzt für ungültig erklärt, allerdings nur im Büro von Chennai. In Pune, wo auch Interns von Springer sitzen, gibt es keine Probleme. Am Samstag habe ich dann plötzlich eine SMS bekommen, dass wir alle heute, Montag, morgens zur FRRO fahren müssen. Dass ich im Urlaub war, Montag ein Urlaubstag für mich und mein Zug für Montagabend gebucht war, hat da keine Rolle gespielt, es hieß ich muss unbedingt da sein. Das hieß dann einmal Urlaub abbrechen und anderthalb Tage früher statt gemütlich mit Anu und ihrem Vater im Zug alleine mit dem Nachtbus 14 Stunden nach Chennai fahren. Netterweise hat sich Anus Familie um alles gekümmert und sogar den Bus für mich bezahlt, wobei ich das Geld hoffentlich von SPS erstattet bekomme. Tamil, ein Kollege (und ja, er heißt wie die Sprache, kommt häufiger vor, ich kenne jetzt schon drei Leute mit dem Namen wovon eine weiblich ist), war so nett und hat mich heute Morgen mit dem Motorrad am Busbahnhof abgeholt und nachhause gebracht, damit ich nicht um die Zeit alleine durch Chennai fahre und auf jeden Fall rechtzeitig ankomme. Heute mussten wir nun alle ins Büro und sind dann – Überraschung – nicht zur FRRO, sondern erstmal in ein anderes SPS-Büro in Chennai gefahren. Da hieß es dann, wir füllen jetzt erstmal Bankunterlagen aus, weil wir noch immer kein Bankkonto haben und wir daher die Bank gewechselt haben. Das hieß eben alle Unterlagen nochmal ausfüllen und unterschreiben. Dann hat sich herausgestellt, dass die halt völlig willkürlich nur bei Julia, Alice und mir die Residential Permit abgelehnt haben, obwohl wir alle die gleichen Voraussetzungen und Unterlagen haben. Also mussten am Ende nur wir drei mit Arun zur FRRO, da hat dann keiner mit uns geredet, Arun und ein anderer Kollege haben am Schalter irgendwas mit denen gesprochen und wir haben recht schnell bemerkt, dass irgendwas nicht in Ordnung ist. Es stellte sich heraus, dass bei den neuen Unterlagen irgendetwas nicht genau so angegeben war, wie die das haben wollten. Wir sind also zurück ins Büro, wo zu unserer Überraschung auch die anderen noch gewartet haben, keiner wusste worauf. Wir wurden dann zum Warten dazugesetzt und nach einer ganzen Weile hat uns irgendwer mal mitgeteilt, dass wir nur noch da sind, weil wir noch ein einziges Dokument unterschreiben müssen. Am Ende haben wir über sechs Stunden in dem Büro gesessen, aber zumindest ein kostenloses Mittagessen abgestaubt. Von Arun habe ich dann gerade erfahren, dass die Unterlagen jetzt akzeptiert wurden und wir jetzt auf die Antwort warten müssen. Warten wir also mal ab, ob ich meinen Geburtstag noch in Indien feiern werde. Die Partyplanung steht zumindest…

Zumindest einen Teil meines Aufenthalts in Kanyakumari, bei Anus Familie konnte ich trotz allem genießen. Ich habe wieder unglaublich viel gelernt und mal wieder tiefe Blicke in die indische Kultur werfen können. Wir sind Donnerstag nach der Arbeit abgefahren und Freitag sehr früh angekommen. Bis dahin dachte ich, dass wir wirklich nach Kanyakumari fahren würden und war leicht überrascht, als unsere Rikscha anfing immer in die entgegengesetzte Richtung zu fahren. Irgendwann sind wir dann vor einem recht großen Haus in einem verhältnismäßig kleinen Dorf stehengeblieben. Ich war wirklich überrascht, wie groß und luxuriös das Haus ist. Ich hab mein eigenes Zimmer bekommen, mit eigenem Bad und gleich darauf gab es auch schon Idly zum Frühstück. Erster und eigentlich auch einziger Programmpunkt des Tages war Familienbesuch. Anu und ich mussten ihrer Mutter und Arun, ihrem älteren Bruder der in Deutschland lebt vorgehen lassen, denn wenn wir zusammen gegangen wären hätten die Leute denken können, dass ich mit ihm da bin. Das wär ja skandalös. Nachdem genügend Leute aus dem Ort erzählt bekommen hatten, dass ich eine Freundin von Anu bin, konnte ich mich dann doch auch in der Öffentlichkeit mit ihm unterhalten und es hat sich herausgestellt, dass er wirklich sehr nett ist, ein kluger Kerl, der zwischen zwei Kulturen gefangen ist und dabei noch Glück mit seinen sehr liberalen Eltern hat. Er hat mir viel erklärt und war überraschend offen und ehrlich was Indien und sich selbst angeht. Der erste Tag war eigentlich völlig mit Familienbesuch in den Häusern der Onkel, Tanten und Cousinen gefüllt, die aufgrund des Festivals für das Wochenende in großer Zahl eingetrudelt sind. Und Familie in Indien ist immer mit viel zu viel Essen verbunden, vor allem, wenn man ein weißer Gast ist. Am Ende des ersten Tages war mir wirklich schlecht von zu viel essen. Anu hatte mich vorgewarnt, dass es während des 9-tägigen Festivals sehr laut im Ort ist und ich habe sehr schnell gelernt wie wahr das ist. Im gesamten Dorf werden Lautsprecher mit der schlechtesten Akustik aller Zeiten angebracht, die dreimal am Tag die Messe in der Sankt Michaels Church in voller Lautstärke übertragen und in der Zwischenzeit auch immer wieder für Musik sorgen. Den größten Teil des Tages kann man sich also nur anschreien und irgendwann will man nur noch Ruhe haben. Wenn die Lautsprecher gerade nicht brüllen, ist es traumhaft ruhig, aber als ich um halb neun ins Bett bin, weil wir um vier Uhr wieder aufstehen mussten, um den umworbenen Sonnenaufgang in Kanyakumari zu sehen, war an Ruhe noch nicht zu denken, aber schlafen kann ich ja zum Glück immer.

Jetzt ist es spät und ich muss noch ein bisschen was arbeiten, daher folgt die Fortsetzung morgen – ich bin mal wieder voll in das Thema arrangierte Ehen eingestiegen, diesmal aber von der anderen Seite…

 

 

17.5.17 17:12

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